Philipp Baumann kassierte kurz vor Schluss eine vollkommen überzogene Gelb-Rote Karte. Foto: Joachim Mentel
Die dritte Herrenmannschaft des TSV 1860 München musste im Wiesnheimspiel gegen den SV Lohhof den Ausfall einer kompletten Elf verkraften, ging trotzdem in der 80. Minute durch Peter Lettenbauer in Führung, verlor dann aber in der hektischen Schlussphase noch mit 1:2. Es war im siebten Spiel die erste Saisonniederlage.
„Ich bin trotz der Niederlage stolz auf die Mannschaft“, erklärte Trainer Perica Anusic. „Wir mussten aufgrund der vielen Ausfälle komplett umstellen.“ Verletzungen, Urlaub und eine Grippewelle seien die Ursache gewesen. Im 3-6-1-System trat die Mannschaft an und demonstrierte, dass sie gewillt war, ihre Serie trotz aller negativen Begleitumstände fortzusetzen. „Die Jungs haben gut darauf reagiert, haben den Gegner komplett neutralisiert“, fand der Löwen-Coach.
Nur im Spiel nach vorne offenbarte sich die alte Schwäche im Abschluss. Allein in der 1. Halbzeit boten sich den Amas reihenweise Chancen, um in Führung zu gehen. Zunächst wurde Joel Deigas Schuss aus elf Metern im letzten Moment geblockt. Dann war es Mario Krischel, der Torwart Michael Suck bereits ausgedribbelt hatte, sein Schuss wehrte ein Lohhofer vor der Linie mit der Hand ab, doch den fälligen Elfmeter verweigerte Schiedsrichter Johannes Carus. Wenig später traf Mario Krischel nur den Innenpfosten, von wo aus der Ball wieder zurück ins Feld sprang. Die nächste Großchance hatte Salif Boubacar, der alleine auf den Torwart zulief, sich jedoch den Ball zu weit vorlegte, so dass Michael Suck parieren konnte. Fast schon tragisch war der Abschluss von Peter Lettenbauer. Aus fünf Meter schoss er den am Boden liegenden Torwart an. So wurden torlos die Seiten gewechselt.
Zu Beginn der 2. Halbzeit stellte Trainer Perica Anusic auf das klassische System um, weil er den gelb-rot-gefährdeten Daniel Deis zur Vorsicht vom Feld nahm. Auch weiterhin dominierten die Sechzger die Partie. Nur in der 65. Minute gab es mal einen Schreckmoment, als der Ball im 1860-Tor lag. Doch dem Treffer ging ein klares Handspiel voraus, weswegen der Unparteiische den Treffer nicht anerkannt. In der 80. Minute endlich die hochverdiente Führung für die Sechzger. Kenyan Price hatte halblinks in den Lauf des gestarteten Salif Boubacar gespielt, der kam fast bis zur Grundlinie, legte dann in die Mitte auf Peter Lettenbauer, der aus kurzer Distanz am zweiten Pfosten nur noch zum 1:0 einschieben brauchte. Die Löwen schienen alles unter Kontrolle zu haben, dann fiel aus dem Nichts heraus der Ausgleich. Nach einer Hereingabe von rechts kam Luan da Costa Barros aus kurzer Distanz zum Abschluss, unglücklich abgefälscht hatte Timo Schober im 1860-Tor keine Abwehrchance (86.). Danach wurden die Amas nervös. In der 3. Minute der Nachspielzeit brachte Marco Gröschel halblinks im Strafraum Luan da Costa Barros zu Fall, der Schiedsrichter entschied auf Elfmeter. Der Gefoulte lief selbst an, schickte Timo Schober ins linke Eck und schob in der Mitte zum 2:1 für die Gäste ein (90.+5). Danach kochten die Emotionen über und der Unparteiische verlor vollends die Kontrolle. Philipp Baumann wollte einen Freistoß schnell ausführen, ein Lohhofer versperrte ihm den Weg, es kam zu einer Rangelei, in deren Folge der Sechzger Gelb-Rot sah (90.+6). Eine Minute später gab es für Nemanja Plavsic ebenfalls die Ampelkarte (90.+7). Eine Chance, doch noch den Ausgleich zu erzielen, hatten die Weiß-Blauen nicht mehr.
Trainer Perica Anusic ärgerte sich über die Niederlage. „Wir gehen verdient in Führung, haben alles unter Kontrolle. Bis zu der Situation, in der wir das 1:1 kassieren, hat alles okay ausgeschaut. Für mich ist es unerklärlich, was danach passiert ist.“ Einen Vorwurf wollte er seiner Mannschaft nicht machen. „Die Jungs haben alles gegeben, deshalb tut es mir leid, dass sie sich nicht belohnen konnten.“ Selbst Franco Simon, der Trainer des SV Lohhof, sprach von einem glücklichen Sieg seiner Mannschaft. „Eigentlich hat der Gegner über 90 Minuten keine klare Chance herausgespielt“, fand Perica Anusic. „Wenn wir oben mitspielen wollen, müssen wir noch viel lernen. So ein Spiel musst du in den sicheren Hafen fahren.“ Erneut sei die Chancenverwertung sehr mangelhaft gewesen. „Wir brauchen im Durchschnitt drei Hundertprozentige, um ein Tor zu schießen. Daran müssen wir arbeiten.“
Der 41-jährige Coach sprach von einer „schwierigen Woche“. Schon im Training hatte sich eine kritische Personalsituation angedeutet. Nur zwölf Spieler, davon drei Torhüter, waren erschienen. „Normalerweise sind mindestens 18 bis 20 Spieler da. Ich hoffe, dass bis zum nächsten Spiel in zwei Wochen sich alle auskuriert haben, wir den nächsten Schritt nach vorne machen können.“
Trotzdem gab es auch Lichtblicke. So lobte der Trainer Mittelfeldspieler Cornelius Fichtner. „Mit ihm haben wir einen guten Charakter bekommen, er ist spielerisch und menschlich top und wird in Zukunft sicher eine gute Rolle in der Mannschaft spielen.“ Ebenso erfreulich, dass Julian Schleich sein Saisondebüt nach Verletzung gab. „Trotz der Niederlage ist es positiv, dass Juli ein paar Minuten spielen konnte.“
Cornelius Fichtner bekam ein Extra-Lob von Trainer Perica Anusic. Foto: Joachim Mentel
STENOGRAMM
Herren Kreisliga München, 7. Spieltag, Samstag, 03.10.2026, 1530 Uhr
TSV 1860 München III – SV Lohhof 1:2 (0:0)
Tore
1:0 Peter Lettenbauer (80.), 1:1 Luan da Costa Barros (86.), 1:2 Luan da Costa Barros (90.+5, Foulelfmeter)
Gelbe Karten
Daniel Deis, Kenyan Price,Cornelius Fichtner, Leon Schleich – Sertan Ismailoglu, Daniel Suck, Fabian Böck, Domenik Kolaj
Gelb-Rote Karten
Phlipp Baumann (90.+6) – Nemanja Plavsic (90.+7)
Zuschauer
70 Sportanlage St.-Martin-Straße
Schiedsrichter
Johannes Carus (München); Assistenten: Felix Spindler (Kirchheime), Michael Keller (München)


